Newsletter 3: Risiken für die Logistik des Warenverkehrs mit VK nach der Brexit

Um Brexit sind nicht viele Unklarheiten, jedoch eins scheint sicher zu sein: Der anfallende administrative Aufwand und die zu bezahlenden Zölle stellen nicht nur eine zusätzliche Kostenbelastung da, sondern wirken sich auch auf die Lieferkette und somit auf die Logistik aus, besonders was Lieferzeit und Lieferart anbelangt.

Lieferzeiten sind vor allem in den weitestgehend internationalisierten Branchen extrem kritisch, da die Branchen stark von der Variable „Zeit“ abhängen. So sollen die Lieferzeiten möglichst kurz sein im Gegensatz zu anderen Branchen oder Dienstleistungen. Verlängerte Lieferzeiten sind äußerst problematisch.

Die Warenabfertigungen an den Grenzen verursachen erhebliche Lieferverzögerungen beim Warentransfer und damit die gesamte Lieferkette verlangsamen. Grund hierfür ist unter anderem, dass in der EU eine Ausfuhrabfertigung und im VK eine Einfuhrabfertigung anfallen, die zeitaufwendig sind.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann Ware, sobald sie transportfähig ist, auf den jeweiligen LKW oder den Hänger des Kurierdienstes verbracht und sofort abtransportiert werden. Zukünftig sind hierfür mehrere Schritte notwendig: Die Bildung von Sendungen, die Durchführung der Ausfuhranmeldungen, etc. Abholungen laufen nicht mehr permanent und kurzfristig ab. Zudem ist noch nicht erkennbar, wie die Einfuhrabfertigung im VK ablaufen soll und welcher Zeitaufwand dafür anfällt.

Den erhöhten Transportzeiten könnte die Entstehung von Staus am Eurotunnel, der für den LKW-Transport zwischen dem VK und den restlichen EU-Mitgliedstaaten maßgeblich verwendet wird, beigetragen werden. Durch den Brexit muss an beiden Seiten des Tunnels eine Zollabfertigung stattfinden, sodass sich die enorme Anzahl an LKWs staut und nur verzögert vorankommt. Da jedoch keine Stauräume um den Tunnel vorhanden sind, besteht die Gefahr, dass es zu einem „Verkehrschaos“ kommt. Dies wirkt sich negativ auf die Lieferzeiten aus.

Für das VK ist die Umstellung gravierender als für die EU27, da das VK auf einmal Ware aus allen europäischen Ländern zollrechtlich abfertigen muss, während die einzelnen EU-Mitgliedstaaten lediglich bei Ware aus dem VK umstellen müssen. Außerdem ist es möglich, dass Firmen innerhalb des VK erstmals ihre Ware nicht oder nur verzögert erhalten. Man vermutet, dass eine Sonderregelung erlassen wird, welche besagt, dass Ware vorerst ins VK überführt werden darf und die Verzollung nachträglich durchgeführt werden kann. Dadurch bestehe die Chance, dem Stau größtenteils entgegenzuwirken.

Zusätzlich zu den Lieferzeiten sind die Aufrechterhaltung der jetzigen Lieferkette zu überdenken und gegebenenfalls auf Alternativen umzusteigen.

Möglichkeiten hierzu sind: Lager in VK und Direktbelieferung sowie Zolllager in der EU. Strukturieren Unternehmen ihre Lieferkette um und liefern direkt, entfällt die Doppelzollbelastung und in großem Maße auch der personelle Mehraufwand. Die Direktbelieferung hat keinen Einfluss auf die Supply Chain und verursacht keine höheren Transportkosten, als die, die bei der Belieferung anderer Drittländer anfallen. Der einzige Kostenfaktor bei diesem Liefermodell stellt der Aufwand dar, dass die Mitarbeiter im VK mit geeigneten Zollsystemen ausgestattet werden müssen. Greifen Unternehmen zukünftig auf Zolllager zurück, kann so die Doppelbelastung des Zolls umgangen werden, da Zolllager von der Zollpflicht ausgenommen sind.

Des Weiteren wird hier auf Paketdienstleistungen hingewiesen, die Ware der EU 27 Unternehmen an den Kunden innerhalb des VK liefert. Für die im Rahmen des Drittlandstatus nach WTO-Regeln anfallende Verzollung benötigen diese Dienstleistung in Zukunft Informationen zur Ware, die das Unternehmen bereitstellen muss. Vor allem Unternehmen, die ihre Ware ausschließlich über einen Online Shop vertreiben, müssen eventuell ein sogenanntes Pufferlager innerhalb des VKs aufbauen, um eine zeitnahe Lieferung garantieren und Paketlieferung bündeln zu können.

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